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Kuersche
Explosiver Neustart mit neuem Album
Das Interview mit Kuersche führte Frauke Rauner am 12. Juli 2002

Sieben Jahre sind vergangen seit Kuersche im Vorprogramm der Furys solo auftrat und nur mit seinem Gesang und der akustischen Gitarre die Massen begeisterte und auch die Tour als support von Nena liegt schon ein paar Jahre zurück. Am 29.Juli 2002 erscheint mit "Chinese Firecrackers" das lang erwartete neue Album.
Wie geht's Kuersche – der "One-Man-Band" im Moment?

Frauke Rauner sprach mit ihm über Vergangenheit, die neue CD und die Pläne für die Zukunft.

Rockszene.de: "Chinese Firecrackers" lautet der Titel des neuen Albums. Warum ein so explosiver Name?

Kuersche: Einen Namen braucht ein Album ja. Irgendwann habe ich mal diese Knallerpackung gesehen und überlegt, ob ich diesen Schriftzug für einen Albumtitel verwenden könnte. Dann gibt's da diesen Film von 1988 mit Sting "Bring on the night". Es geht in einer Szene um den Unterschied zwischen einer Rock- und einer Jazzband und es wird erklärt, eine Rockband knallt und brennt.Und hier kamen mir die Cracker wieder in Erinnerung. Schließlich bedeutet das neue Album für mich einen Neustart und dieser soll erfolgen wie eine Explosion.

Rockszene.de: In letzter Zeit war es ja verhältnismäßig ruhig um dich. Und dabei begann 1995 als du im Vorprogramm der Furys spieltest alles so erfolgsversprechend. Es folgte noch eine Tour mit Nena und danach eine Tournee mit einigen Fury-Musikern als Backing-Band.

Kuersche:
Ja, aber Ende ´98 wurde es dann schwierig. Mein damaliges Label schloss die Pforten, es war keine Albumveröffentlichung möglich. Und das ist nun mal immer schlecht, wenn man im Gespräch bleiben will. Mein gesamtes musikalisch-geschäftliches Umfeld brach zusammen. Ich stand nun allein da und war plötzlich wieder ganz am Anfang.

Rockszene.de: Du hast dir dann einen Computer gekauft und angefangen, die Sachen selber zu produzieren...

Kuersche: Ja, ich war mein eigener Produzent, habe einige Demos aufgenommen und versucht, die Sachen an Plattenfirmen zu bringen. In einer letzten verzweifelten Aktion schickte ich die Demos an Oliver Mielke von der Entertainment Factory. Und der meinte, wir machen ´ne CD. Ich hab mir dann einen Produzenten gesucht, war ich doch den Anforderungen im Studio allein nicht mehr gewachsen und wollte mich auch auf mich und die Musik konzentrieren. Peter Jordan war der geeignete Mann.

Rockszene.de: Von der Bühne und auch einigen vorherigen Alben kennt man dich vorwiegend als Solokünstler, Kuersche nur mit Gitarre und Gesang. Die neue Platte kommt dagegen im Bandsound daher.

Kuersche: So habe ich mich weniger eingeschränkt. Früher habe ich immer überlegt, wie ich die Songs so aufnehmen kann, damit ich sie auch live genauso präsentieren kann. Das war mir diesmal nicht wichtig. Auch bei der Platte davor hatte ich schon Bandaufnahmen. Das Album ist eine für sich geschlossene Sache und das andere sind eben die Konzerte. Zwei verschiedene Paar Schuhe.

Rockszene.de: Mittlerweile bist du aber auch live mit einem Schlagzeuger unterwegs.

Kuersche: Ja, mit dem Karsten Kniep habe ich jemanden gefunden, der gut zu mir passt. Aber eine gesamte Band wird man nicht erleben, dazu habe ich mich viel zu sehr daran gewöhnt, alleine spontan auf das Publikum reagieren zu können. Der Schlagzeugsound hingegen hat mir immer am meisten gefehlt. Ich halte diesen neuen Sound für eine interessante Sache, die sich abhebt. Und Karsten haut rein, so dass es schön rockt.

Rockszene.de: Welche Musik hörst du?

Kuersche: Ich mag englischsprachige Musik, habe mit neun Jahren begonnen, intensiv Musik zu hören. Meine älteren Brüder haben immer Beatles und Stones gehört. An der englischen Musik mag ich die Rauheit und Einfachheit. Amerikanische Musik ist oft so sehr pathetisch und kippt schnell ins Kitschige. Auch bei meinen eigenen Produktionen schätze ich Klarheit und einfache Sounds.

Rockszene.de: Warum hast Du irgendwann begonnen, Musik zu machen?

Kuersche: Dadurch dass ich Musik mache, komme ich besser durchs Leben, das habe ich irgendwann gemerkt. Ich fühle mich besser, kann so Sachen, die passieren, schneller verarbeiten. Abgesehen davon sollte man Industrieprodukten wie den No Angels und solch Krams gewissermaßen Paroli bieten und ehrliche Musik machen. Ich stehe hinter jedem meiner Songs als Person .

Rockszene.de: Im Rahmen der CD-Release Party werden auch einige Kurzfilme gezeigt. Du hast Studenten der Fachhochschule Hannover die Möglichkeit geboten, zu einigen deiner Songs, Filme zu drehen.

Kuersche: Die Idee zu jedem Song auf dem Album ein Video zu drehen, hatte Oliver Mielke schon viel früher. Aus finanziellen Gründen wurde das dann nicht verwirklicht, denn auch das Label von Oliver war von der Kirch-Pleite betroffen. Ich fand das mit dem Videodreh jedoch eine gute Sache und fragte Leute von der Fachhochschule hier in Hannover, ob sie nicht Lust hätten, solche Clips zu drehen. Es fanden sich bald so einige und nun werden bei der CD-Release Party acht bis zehn Filme gezeigt. Ich bin sehr gespannt, habe ich doch auch noch nicht alle gesehen.

Rockszene.de: Auf der neuen Platte findet sich eine Coverversion des alten Snap-Hits "Welcome to tomorrow" und auch bei deinen Konzerten hört man immer wieder Coversongs. Zur Zeit ist der Markt doch regelrecht überschwemmt mit Coverversionen, oder wie siehst du das.

Kuersche: Ja, aber leider mit überwiegend weniger guten. Ich habe ja damals für Radio Antenne 20 Versionen von Pop-Klassikern im Unplugged-Stil produziert. Man hatte mich darum gebeten und ich fand es spannend, wie das so funktioniert mit dem Covern. Zu der Zeit war es ja modern, Songs von Bands wie Police mit Dance-Beats zu unterlegen. Ich machte genau das Gegenteil und coverte Songs zum Beispiel "Horny" von MousseT in akustischer Version. So ist das auch mit dem Snap-Hit. Warum soll man Stücke, die eine nette Melodie haben, nicht wiederaufleben lassen? Ich finde, das hat Berechtigung und man bringt so die alten Sachen wieder in Erinnerung. Das ist gut so.

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: Und wie geht's nun mit Kuersche weiter?

Kuersche: Ich hoffe sehr, dass sich die Arbeit gelohnt hat und die CD gut läuft. Mittlerweile bin ich ja so ziemlich meine eigene Plattenfirma, mache den ganzen Businesskram selber. Sonst wäre die Platte ja auch gar nicht rausgekommen. Ich würde mich aber gerne viel mehr auf die Musik konzentrieren.