Interview Archiv
RADIO 21 - Musikchef Guido Mann
Musik lokaler Bands im neuen ROCKsender

Von Andreas Haug

Vor fast zwei Jahren, genau genommen am 31.Mai 2000 nahm RADIO 21 – Der neue ROCKsender den Sendebetrieb im Funkhaus Garbsen/Havelse bei Hannover auf.
Von Beginn an berücksichtigt RADIO 21 in seinem Programm auch Musik von Bands aus dem Sendegebiet und das sehr regelmäßig. Von Montag bis Freitag gibt es gegen 18.20 Uhr im Rahmen der Wunschsendung "Wishful rocking" die Rubrik "Rock von Nebenan", darüber hinaus wird Musik von den "Local heroes" aus Niedersachsen im Abendprogramm, schwerpunktmäßig in der Zeit zwischen 19 und 20.30 präsentiert. Hier läuft dann "Das Beste von Rock aus Nebenan".
Ausbau des Engagements für die lokale und regionale Rockszene nicht ausgeschlossen.

Andreas Haug sprach am 21.Februar 2002 mit RADIO 21-Musikchef Guido Mann unter anderem über die Voraussetzungen die die Musik einer Band erfüllen muss um bei Deutschlands führendem Sender für Classic Rock berücksichtigt zu werden.

Rockszene.de: Guido, es ist in der heutigen Medienlandschaft insbesondere beim Radio alles andere als selbstverständlich, dass die Musik lokaler und regionaler Rockbands ohne namhaften Plattenvertrag berücksichtigt wird, was von vielen Seiten als grundsätzliches Problem dargestellt und auch kritisiert wird. Wie kam es dazu, dass ihr als nicht ganz kleiner privater Sender-wenn man das mal so sagen darf- offenbar neue Wege beschreitet und wann habt ihr euch entschieden, Rockmusik von Bands aus dem Sendegebiet zu spielen ?

Guido Mann: Schon in der Anfangszeit von RADIO 21 hatten sich Bands aus der Region bei uns beworben. Die hatten gehört, dass es da jetzt einen neuen Rocksender gibt und uns ihre CDs geschickt. Daraufhin haben wir den Versuch mit der Rubrik "Rock von Nebenan" gestartet in der wir auch heute noch von Montag bis Freitag um 18.20 Uhr einen Song einer Band aus dem Sendegebiet vorstellen. Erst im zweiten Schritt kam die Wunschsendung "Wishful rocking" in der Stunde von 18-19 Uhr hinzu, die wir-wenn man so will- um "Rock von Nebenan" "herumgebaut" haben.

Rockszene.de: Also eine Band wie Like Water aus Hannover, Blackstage aus Garbsen, Größenwahn aus Göttingen oder Consul Crayfish aus Hameln, im Programm zwischen Mick Jagger & Co. ?

Mann: Genau das. Wir wollten sehen, wie die regionalen Bands zwischen den etablierten Acts beim Hörer ankommen.

Rockszene.de: Und die Resonanzen ?

Mann: Positiv. Wir erhalten auch schon mal gezielte Nachfragen von unseren Hörern was die gespielten Titel der Bands "von Nebenan" betrifft. Schließlich haben die ersten Anfänge einen Schub von Bewerbungen neuer Bands nach sich gezogen.

Rockszene.de: Wieviele Bands haben sich bisher insgesamt beworben ?

Mann: Das mögen inzwischen insgesamt an die 600 Bands aus ganz Niedersachsen sein, wovon wir mit zirka 500 Bands den Großteil der Bewerber in unserem Programm auch berücksichtigen konnten.

Rockszene.de: Und die verbliebenen 100 Bands ?

Mann: Bei den Einsendungen die wir nicht berücksichtigen konnten, war entweder der zu niedrige Produktionsstandard der CDs ausschlaggebend. Das Material war einfach nicht sendefähig. In den weitaus meisten Fällen, in denen wir eine Absage erteilen mussten, war es jedoch der Musikstil der jeweiligen Band, der nicht bei uns ins Programm passt. Als Sender mit dem Format "Classic Rock" können wir trotz aller Flexibilität keinen ausgesprochenen Modern-, Crossover- oder Alternative Rock spielen, ebenso fallen extreme, brettharte Metal-Themen aus dem NuMetal, Trash-und Deathmetal-Bereich raus.
Ebenso verhält es sich mit ausgesprochenen Funk-and Soulbands. Wir haben hier schon qualitativ hervorragende Bewerbungen bekommen, aber Bands die stilistisch z.B. sehr nah an Acts wie Red Hot Chilli Peppers oder Jamiroquai dran sind passen nicht zum Classic Rock.

Rockszene.de: Wobei wir ja schon zwei Auswahlkriterien für die Musik genannt haben. Welche gibt es noch ? Haben z.B. Bands die Lynyrd Skynrd oder Status Quo covern bessere Karten, bei euch gesendet zu werden ?

Mann: Eher weniger. Wir nehmen ungern Cover-Bands ins Programm auf, es sei denn, sie schaffen mit ihren Interpretationen bekannter Klassiker praktisch völlig neue Versionen der Songs. Ansonsten ist es uns sehr wichtig, mit den eingesetzten Bands unser Sendegebiet abzubilden, ein wichtiges Kriterium für die Auswahl, denn schließlich hört man uns nicht "nur" im Großraum Hannover, demnach gilt es, eine recht große Bandbreite anzubieten.
Für den Einsatz bei "Rock von Nebenan" gegen 18.20 Uhr sollte außerdem kein Stück länger als 5 Minuten sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wie gut oder schlecht eine Band letztlich auf der Bühne ist, ist für unsere Auswahl nicht interessant, für uns ist allein die zugesandte CD maßgebend.

Rockszene.de: Um noch mal auf das Thema Bandbreite und Sendegebiet zurückzukommen. Hannover gilt ja sogar im bundesweiten Vergleich ohnehin seit jeher als eine Hochburg der Rockmusik. Wie spiegelt sich das auf die Präsenz hannoverscher Bands bei euch im Programm wieder und welche Städte im Sendegebiet sind auch noch stark und welche eher schwach vertreten ?

Mann: Hannover, steht schon gut da, keine Frage. Auch Bands aus dem Raum Burgdorf, Celle und Gifhorn sind sehr stark vertreten. Anders sieht es dagegen in Städten wie Northeim, Hannoversch-Münden oder dem Harz aus. Osterode, Bad Grund, nur um Namen zu nennen. Aus diesen Gegenden haben wir zurzeit noch wenige bis gar keine Einsendungen.

Rockszene.de: Wie offen seid ihr, wenn eine Band nicht mehr unmittelbar aus eurem Sendegebiet kommt. Wird sie dann abgelehnt ?

Mann: Wir weiten uns demnächst aus. In Hamburg sollen wir demnächst im Kabel zu empfangen sein, außerdem bekommt man uns verstärkt auch in der Gegend um Bremen und Oldenburg. Grenzfälle-um es mal so auszudrücken-haben wir auch bislang versucht unterzubringen, wie z.B. die Band Tuscon aus Bremen oder Thomas Kay Tee aus Lüneburg.

Rockszene.de: Interessierte Bands die sich bewerben wollen, schicken euch einfach einen CD-Rohling und dann werden sie irgendwann gespielt oder das Demo geht zurück oder wie läuft das ab ?

Mann: Gut, dass du dieses Thema ansprichst. Leider sind einige Bewerbungen unvollständig, manche Bands schicken einfach kommentarlos eine CD, andere vergessen das Info, wichtige Adressangaben oder Fakten, die für uns wichtig sind, eine Band qualifiziert vorzustellen oder auch zu kontakten.
Neben der CD ist es also ganz wichtig, ein Info beizulegen aus dem hervorgeht, woher genau die jeweilige Band kommt. Wenn man also aus Nienhagen oder Wathlingen kommt, dann nicht einfach nur "Großraum Celle" schreiben, bzw. "Region Hannover" wenn die Band z.B. aus Burgdorf stammt.
Und dann bitte nicht die E-Mail-Adresse vergessen. Die Bands die sich bei uns bewerben, bekommen ein kurzes Feedback ob und vor allem wann sie zum Einsatz kommen. Das ist ja vor allem wichtig, wenn die Musikerinnen und Musiker, eine Sendung mitschneiden wollen, denn leider haben wir keine Möglichkeit, den Bands Mitschnitte zur Verfügung zu stellen.

Rockszene.de: Seit neuestem ladet ihr euch auch Bands zu Interviews ins Studio ein. Allerdings werden dann nicht lange Dialoge gesendet sondern es werden Sequenzen daraus praktisch als eigene Anmoderation unmittelbar vor den Titeln eingeblendet. Warum keine ausführlichen Interviews, wie man es gewohnt ist ?

Mann: Wir wollen durch die Einblendungen der O-Töne der Musiker vor den Stücken für eine bessere Präsenz der Bands im Programm sorgen. Viele Menschen hören Radio mit einem Ohr so nebenbei, werden dann aber kurze, prägnante O-Ton-Sequenz eingeblendet, garantiert das den Bands, dass von ihnen bewusster Notiz genommen wird, gleichzeitig ist der Hörer kurz mit den wichtigsten Eckdaten oder der Philosophie der jeweiligen Band vertraut.

Rockszene.de: Gibt es bei RADIO 21 Überlegungen, für die regionale Musikszene eine eigene Sendung ins Leben zu rufen, z.B. in Form eines regelmäßigen einstündigen Specials am Abend ?

Mann: Im Jahr 2002 sicher nicht mehr. Wir vertreten auch die Auffassung, dass das "Einstreuen" von Songs regionaler Bands ins normale Programm mehr Aufmerksamkeit für die Bands bringt als eine eigene Sendung am Abend, bei der wir möglicherweise nur ein sehr speziell interessiertes Publikum ansprechen würden.
Denkbar wäre aber, dass wir Bands oder einzelne Interpreten in der Spezialsendung am Sonntagabend ihre Classic-Rock-Favoriten vorstellen lassen, denn vielfach sind deren Lieblingsinterpreten, deckungsgleich mit den Künstlern, die bei uns im Programm regelmäßig vertreten sind.

Rockszene.de: Gibt es noch weitere Möglichkeiten der Präsenz regionaler Bands bei RADIO 21 ?

Mann: Dazu fallen mir noch die Veranstaltungshinweise ein, die thematisch allerdings nicht in die Wunschsendung bzw. "Rock von Nebenan" gehören. Bands können uns ihre Konzerttermine gern per mail unter redaktion2@radio21.de übermitteln. Drei Tage vor der Veranstaltung reicht aus. Auch mit den Veranstaltungshinweisen soll das Sendgebiet auf breiter Basis abgebildet werden.

Rockszene.de: Eine letzte Frage. Was hältst du von den regionalen Bands aus dem Sendegebiet, die ja zumeist Amateure und reine Freizeitmusiker sind. Wie siehst du als langjähriger Radio-Profi die Qualität und Perspektiven ?

Mann: Von der Qualität bin ich positiv überrascht. Ich habe mir auch einige CDs für´s Autoradio zusammengestellt. Es ist nur Schade, dass viele dieser guten Bands auf dem Markt wie er sich derzeit darstellt, vermutlich kaum Chancen auf einen Plattenvertrag haben werden.

Bands bewerben sich mit Demo-CD, Bandinfo (Herkunft und E-Mail-Adresse nicht vergessen) unter:

RADIO 21 - Der neue ROCKsender
Musikredaktion
Postfach 11 04 21
30804 Garbsen