Interview mit Christof und Gero von Fury i.t.S.
geführt von Frauke Rauner
Das Jahr 2002 steht für Fury in the Slaughterhouse ganz im Zeichen von "The Color Fury".
Im April kam damals noch unter ihrer früheren Plattenfirma EMI das neue Studioalbum auf den Markt, im Anschluss folgte der erste Teil der "The Color Fury" Deutschland- Tour. Am 9.August verkündetet die Band die Rückkehr zur Plattenfirma SPV und spielte im Anschluss an die Pressekonferenz ein Konzert in der zum bersten gefüllten Eventhalle des Peppermint-Park-Pavillons auf dem Expo-Gelände. Dieses Konzert bildet die Basis für die aktuelle DVD "Monochrome". Wenige Tage vor Veröffentlichung sprach Frauke Rauner mit Fury-Gitarrist Christof Stein und Keyboarder Gero Drnek über "Monochrome", die Rückkehr zu SPV, die hannoversche Musikszene und Fury´s Pläne für das kommende Jahr.
Rockszene.de: Am 28. Oktober wird eure DVD "Monochrome" veröffentlicht. Was erwartet uns?
Christof Stein: Im Sommer haben wir Kurzfilme unter anderem unter der Regie von Franziska Stünkel und Olaf Heine gedreht und es war klar, dass die Filme auch irgendwann auf DVD zu sehen sein werden. Es sind nun 201 Minuten geworden, die unsere Arbeit des letzten Jahres dokumentieren. Eine Doku des Color-Fury-Projektes ist drauf, der Live-Mitschnitt vom Konzert im August im Peppermint Pavillon, eben die fünf zum Album gedrehten Kurzfilme und zwei Songs scoremäßig. Außerdem gibt´s zuzüglich eine Diashow von Andora`s Objekten mit Kommentaren von ihm im wunderschönen Berliner Dialekt.
Rockszene.de: Am 2. April diesen Jahres habt ihr das Album "The Color Fury", das Andora gestalterisch begleitet, rausgebracht. Wie erfolgreich lief und läuft es?
Christof: Die Platte läuft besser als erwartet. Sie wurde ja sozusagen unter "Ausschluss der Öffentlichkeit" veröffentlicht. Das hat man der Promotionarbeit der EMI zu verdanken. Auch kam die Platte zu spät auf den Markt. Aber trotzdem haben wir wohl bisher so 70.000 Exemplare verkauft.
Rockszene.de: Man kann ja sagen ihr seid ein hannoversches Eigengewächs, vor Jahren habt ihr in den Kellern der Glocksee angefangen. Habt ihr noch Kontakt zur Hannover-Szene? Welche Bands kennt ihr und was gefällt euch ?
Gero Drnek: Ich war an zwei Abenden bei "Hannover rockt", den Hart- und Krachabend habe ich mir geschenkt, denn mit dieser Art von Musik kann ich nicht so viel anfangen. Die Bands, die ich gehört habe, waren alle recht okay, aber alle noch nicht ganz fertig. Ansonsten kenne ich Graze und die sind schon amtlich und sollten unbedingt weitermachen.
Christof: Ich mag die Noetics. Auf jeden Fall gibt es gute Musiker in Hannover. Noch vor einer Weile hatte ich das Gefühl, die Szene sei tot. Aber nun sehe ich glücklicherweise wieder junge Bengels mit Gitarren und Co. in die Probenkeller der Glocksee stiefeln. Der Kontakt zur Hannover-Szene ist auf jeden Fall da. Wir haben dieses Jahr auch beim "30 Jahre Glocksee-Fest" gespielt. Wir gehören da ja praktisch zum Inventar.
Rockszene.de: Welchen Rat gebt ihr Nachwuchsmusikern, die ins Musikgeschäft streben?
Gero: Eigenständigkeit ist das A und O. Lasst euch um Himmels willen nicht komplett verheizen. Sucht euch auch sehr bald einen eigenen Rechtsanwalt und nicht erst nach dem ersten Plattenvertrag. Nutzt die neuen Medien, besonders das Internet, aber lasst euch nicht von ihnen benutzen.
Christof: Ja, lasst euch nichts erzählen von irgendwelchen Leuten. Macht weiter und zieht eure Musik durch.
Rockszene.de: Seit fünfzehn Jahren seid ihr dabei. Welche Rolle glaubt ihr spielt Fury im heutigen Musikgeschäft?
Gero: Man versucht uns ja doch, in die Dinosaurierrolle zu drängen...
Christof: Na, Klassiker sind wir schon, aber eben lebendige. Im Moment sind wir als Band wieder sehr viel zusammen. Das macht Spaß.
Gero: Bis jetzt haben wir noch keine Schimpfe von jungen Bands bekommen, im Gegenteil. Fury hat eine Art katalytische Funktion, vermittelnd zwischen handgemacht und modern. Wir sind nicht nur alte Gibsonquäler (Gibson=gewichtige E-Gitarre aus USA, zählt seit Jahrzehnten zu den Standard-Rock-Gitarren-d.Redaktion)
Christof: Die können wir mittlerweile auch gar nicht mehr halten (grinst). Wir sind etwas zu schwach geworden mit den Jahren...
Gero: Na jedenfalls, betrachte ich Fury mal als Schaltstelle zwischen kommerziell/erfolgreich und trotzdem wahrhaftig. Wir sind ja auch sehr naturbelassen groß geworden.
Christof: Und wir sind nicht gecastet und nicht geliftet.
Rockszene.de: Im Sommer diesen Jahres habt ihr einen neuen Vertrag bei eurer alten Plattenfirma SPV hier in Hannover unterschrieben. Wie läuft die neue/alte Zusammenarbeit?
Christof: Klasse. SPV hat in der Zeit seit Sommer mehr Interviews zustande gebracht als die EMI in den letzten zwei Jahren. Hier sitzt man mit den Leuten an einem Tisch und muss sich nicht durch 17 Vorzimmer kämpfen. Die Leute hier kennen wir schon lange...
Gero: ... und wir kennen die Fehler die passieren können und können das bewusst umschiffen. Bei der EMI ging das immer hin und her. Wir hatten einen Vorschlag, der wurde diskutiert und hin-und hergereicht und dann doch unter den Tisch gekehrt. Damit haben wir viel Zeit und Kreativität verloren. Immer wieder versprühte man Herzblut und erhielt keinerlei Resonanz.
Rockszene.de: Und warum seid ihr dann nicht schon früher zu SPV zurückgekehrt?
Christof: Wir hatten bei der EMI einen Vertrag über drei Platten. Es war eine unglückliche Zusammenarbeit, für beide Seiten. Aber wir waren jung und brauchten Geld.
Rockszene.de: Was steht in den nächsten Monaten für euch auf dem Programm?
Christof: Erst einmal ist im November die zweite Hälfte der Color Fury Tour angesagt. Die erste Hälfte verlief sehr erfolgreich, berücksichtigt man dass das mit der Plattenveröffentlichung eben etwas schief lief. Nach der Tour werden wir uns dann fünf Monate Auszeit gewähren. Und im Frühjahr werden wir erstmalig eine CD im eigenen Studio in Eigenregie aufnehmen, also ohne Produzenten. Anfang 2004 ist dann die Veröffentlichung der neuen Platte geplant.
Gero: Bisher konnte man sich immer hinter anderen Leuten, wie eben dem Produzenten verstecken. Das ist dann nicht mehr möglich. Wir werden erstmals Zeit und Muse finden, zwei bis drei oder mehr Versionen eines Stücks auszuprobieren. Bisher war es oft ein Handicap, dass der Produzent sagt, in welche Richtung das Album gehen soll. Jetzt sind wir freier. Wir können sagen: "Ich habe hier eine Idee. Lasst uns das mal ausprobieren."
Christof: Mittlerweile haben wir auch kapiert, dass etwas schneller gespielt als ausdiskutiert ist. Früher haben wir viele Stunden mit sinnlosem Gerede verbracht. Wir waren eben ein Haufen ziemlicher Idioten.
Gero: Ja, und inzwischen ist jeder einzelne von uns in der Lage, sich vernünftig sowohl sprachlich als auch musikalisch zu artikulieren. So ist das Arbeiten dann auch viel effektiver.
Rockszene.de: Nach der Tour im November gibt es also eine Pause... was macht ihr?
Christof: Wir werden uns unseren Soloprojekten und natürlich unseren Familien widmen. Der erste Pflichttermin für Fury ist erst am 31. April im nächsten Jahr.
Gero: Ich werde mir wohl eine Kreativpause von fünf Monaten gönnen und irgendwo hinfahren, wo es keine Instrumente gibt. Ansonsten gerate ich wieder in Versuchung und vorbei ist es mit dem Urlaub.
Das Interview fand am 17.10.2002 bei SPV statt.
Mehr Infos über Fury in the Slaughterhouse unter www.fury.de
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