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Interview Archiv
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| Das Gespräch mit Adam Hahne führte Andreas Haug am 14.05.2001 im Funkhaus von Radio21 in Garbsen.
Adam Hahne: Ich muss immer aufpassen, dass man in so einem Moment nicht sagt, der Hahne sei arrogant, denn ich bin sehr zufrieden. Wir sind der 3.Privatsender in Niedersachsen mit einem noch eingeschränkten Senderadius.Das ganze ist erstmal als eine Art Experiment angelaufen um zu beurteilen, ob sich so eine Form von Radio überhaupt machen lässt. Es gibt ja in Deutschland keinen vergleichbaren Sender. Es gibt zwar noch vier oder fünf Rocksender, nur die sind wesentlich jünger positioniert. Das Altersspektrum unserer Hauptzielgrupppe liegt bei ca.30 - 49 Jahren. Ich habe aber von vornherein daran geglaubt, dass Radio21 funktionieren wird. Auf Grund von Hörerumfragen und Marktanalysen haben wir festgestellt, dass man mit unseren Programm sehr zufrieden ist und somit sind wir es auch. Insgesamt kann man sagen, dass unsere Erwartungen übertroffen wurden, so dass wir in Ruhe weiterarbeiten und unseren Weg gehen können. Rockszene: Wie hoch schätzen Sie derzeit den Marktanteil von Radio21 ein? Hahne: Wir gehen für uns von ca.8-10 % in unserem Sendegebiet aus. Es sollte also ungefähr jeder Zehnte, den man trifft, Radio21 kennen und auch hören. Das ist für uns schon recht gut. Darüberhinaus liegen wir verhältnismäßig gut bei den Werbebuchungen aus dem regionalen Mittelstand, denn es ist für einen Sender keinesfalls selbstverständlich, dass er mit einer hohen Zahl von Hörern auch gleichzeitig viel Werbung verkauft. Rockszene: Radio21 sendet im Format Classic-Rock der 60er, 70er und 80er Jahre. Wer legt fest, was gespielt wird und wer definiert eigentlich was Classic-Rock ist und was nicht? Hahne: Wir haben, bevor wir angefangen haben zu senden, Musiktests durchgeführt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Leute und damit die potenziellen Hörer eigentlich unter Rockmusik verstehen, denn jeder definiert das für sich erstmal anders. Sie haben bestimmt eine andere Vorstellung von dem, was Rockmusik ist als ich und ein Dritter sieht das auch wieder anders. Natürlich bewegen wir uns grundsätzlich in einem Spektrum Beatles, Rolling Stones oder Bruce Springsteen um mal drei populäre Stellvertreter zu nennen. Das ist schon die breite Mitte, aber und das ist die Überraschung- Simon & Garfunkel wird z.B. ohne weiteres als Rockmusik angesehen. Oder z.B. die Bangles oder Abba, die für mich immer symbolisch für Popmusik standen. Ich sage aber nicht was Rockmusik ist, unsere Hörer sagen das. Und wenn man anhand der Marktforschung sieht, dass das Angebot angenommen wird, können wir nicht so falsch liegen. Natürlich muss man sich darüber im Klaren sein, dass es nie ein Radioprogramm geben wird, bei dem die Hörer sagen: "Das ist hunderpozentig das, was mir in meinen Kopf in punkto Rockmusik vorschwebt". Dafür hat man ja seine eigene CD-Sammlung. Aufgabe eines Radioprogramms ist es, möglichst nah an diese Idealvorstellung heran zu kommen. Rockszene: Wie ermitteln Sie, dass ihre Hörer zufrieden sind bzw.bleiben, gibt es da im laufenden Betrieb Analysen oder Hörerumfragen? Hahne: Ja, wir versuchen, wenn Sie es so wollen, alles mögliche zu analysieren (schmunzelt). Wir werten z.B. sehr sorgfältig und intensiv die Hörerwünsche aus, die uns per Telefon, Fax oder E-Mail erreichen um letztlich ein Gefühl dafür zu entwickeln, was man von uns erwartet. Das Feedback unserer Hörer ist uns sehr, sehr wichtig. Rockszene: Ist es aber nicht grundsätzlich so, dass die Hörer nur die Möglichkeit haben aus etwas auszuwählen, das man ihnen vorgibt? Hahne: O.k., man muss natürlich zunächst mal einen gewissen Rahmen abstecken, das ist klar. Aber es stellt sich für mich auch die Frage, ob man den Hörern das Spektrum, das sie bisher von Rockmusik haben, durch ein vernünftig gemachtes Radioprogramm erweitern kann. Zunächst ging und geht es für uns darum, dass wir uns ein gewisses Image aufbauen und eine Glaubwürdigkeit beim Hörer erlangen, also eine Basis schaffen. Erst später können wir allmählich erweitern. Teilweise tun wir das ja schon mit unseren Abendsendungen, mit unseren Specials. Das muss sich aber Stück für Stück entwickeln. Wir sind noch längst nicht an dem Punkt, wo wir unser Programm als endgültig festgelegt sehen. Wir gehen immer mal neue Wege z.B. in der Form, dass wir versuchen, das ein oder andere Stück von Bands aus der Region unterzubringen. Die Resonanz darauf war gut. Rockszene: Welchen Stellenwert haben Specials wie z.B. Jethro Tull oder Veranstaltungen wie z.B. das Status Quo Konzert in der Stadionsporthalle, dessen Zustandekommen wir ja sicherlich Radio21 zu verdanken haben? Hahne: Bei Status Quo haben wir uns dafür eingesetzt, dass das für Hannover klappt und es hat geklappt. Im Rahmen dieser Veranstaltung möchten wir auch gern unser einjähriges Jubiläum feiern. Zum Abendprogramm und zu den Specials. Sie nehmen einen sehr wichtigen Stellenwert ein. Ich glaube, es gibt zwei Hörergruppen. Für die einen ist Rockmusik das ein und alles, die nehmen das sehr intensiv war. Diese Gruppe wird sich wahrscheinlich auch besonders für das Abendprogramm interessieren. Die andere Gruppe besteht aus Menschen, die sich einfach durch Rockmusik im Radio unterhalten lassen wollen. Beide Gruppen brauchen wir, um den Sender am Laufen zu halten. Wenn wir uns nur auf die eingefleischten Fans konzentrieren würden, wäre das Potenzial etwas zu gering. Deshalb auch tagsüber tendenziell eher der lockere Mainstream um auch nebenbei am Arbeitsplatz Radio hören zu können und abends dann das Programm für die Speziallisten, die z.B. mal ein völlig unbekanntes Stück aus der 7.Steely Dan Scheibe hören wollen (lacht). Tagsüber spielen wir dann die großen Hits von Steely Dan um ein breiteres Publikum anzusprechen. Rockszene: Was unsere Leser besonders interessiert ist das Thema "Regionale Szene in Niedersachsen". Es wurde nach unserer Einschätzung sehr postiv aufgenommen, dass Bands aus der Region die Möglichkeit haben, anders als in der heutigen Medienzeit unbedingt üblich, sich und ihre Songs vorzustellen, es gibt Features wie "Rock von Nebenan" . Was beabsichtigen Sie damit? Hahne: Wir sind nicht ein Sender, der aus dem All kommt und einfach nur nette Musik spielt. Wir möchten schon als "Sender vor der Haustür" begriffen werden. Wir möchten auch ein Bestandteil dieser musikalischen Kultur in Niedersachsen werden. Dafür können wir das ein oder andere tun. Nun haben wir mit den Bands aus der Region eine kleine Schwierigkeit, das kann man auch mal ganz offen sagen. Was tun wir denn mit Bands, die zwar gute Rockmusik spielen, aber nicht unbedingt etwas mit Classic Rock zu tun haben? Das ist nicht immer nachvollziehbar. Wie präsentieren wir was von einer neuen Band aus Hannover, die eher im Modern Rock Bereich anzusiedeln ist, als im Classic Rock? Wir machen da schon den ein oder anderen Kompromiss. Ich denke, das wird sich vielleicht auch in Zukunft weiterentwickeln. Ich will nicht behaupten, dass wir uns auf alle Ewigkeit im Classic-Rock-Bereich festsetzen müssen. Classic Rock war unser Ausgangspunkt. Es nämlich auch einen gewissen Anteil in der Hörerschaft, der sich da auch eine Erweiterung wünschen würde. Rockszene: Was planen Sie konkret für die nähere und fernere Zukunft. Können wir in der 2. Jahreshälfte mit besonderen Aktionen rechnen, die Sie uns jetzt schon verraten können? Hahne: Wir sind derzeit erstmal mit den Planungen zu unserem Geburtstag beschäftigt. Dann ist Sommer und es gehen einige Leute das erste Mal seit über einem Jahr in Urlaub, denn bislang gab es nicht die Möglichkeit mal ein, zwei Wochen frei zu nehmen. In der zweiten Jahreshälfte könnte ich mir vorstellen, dass wir dass Abendprogramm erweitern. Das hängt aber von der personellen Situation ab, ansonsten versuchen wir das, was wir aufgebaut haben, ein wenig zu verfeinern. Wie wir bei einer Hörerumfrage ermittelt haben, müssen wir versuchen, mit unserem Informationsanteil noch ein bisschen zielgerichteter zu sein. Man kann sich hier schon noch mehr vorstellen, Stichwort Sport, wo eine größere Erwartungshaltung existiert und wir ein bisschen nachlegen müssen. Ich glaube es ist wichtig für diesen Sender, dass er musikalisch immer mal wieder eine kleine Überraschung parat hat. Rockszene: Herr Hahne, vielen Dank für das ausführliche Gespräch Hahne: Gern geschehen. |