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VW-Bandcoaching mit Caféhaus -
Rockszene.de begleitete auch die letzte Trainingswoche

Pornofunk. Mit der eigenwilligen Beschreibung des Stils ihrer wirklich nicht ganz alltäglichen Musik, ist der Kemptener Band Caféhaus zunächst mal alle Aufmerksamkeit sicher. Ihre Musik einigermaßen zu kategorisieren, damit tun sich bekanntlich viele Bands schwer, denn fast jede Gruppe nennt Abwechslungsreichtum als eine ihrer Stärken. "Die Lieder sind durch die ganz unterschiedlichen Einflüsse und Vorlieben der Bandmitglieder geprägt und lassen sich in keine Schublade stecken."

So lesen sich nicht ganz wenige Bandinfos in Deutschland ziehen nicht wirklich das große Interesse des bemusterten Redakteurs, Veranstalters oder A+R-Mangers einer Plattenfirma auf sich. Aber "Pornofunk"-das fällt auf, das merkt man sich, das hinterfragt man. Der für sie etwas süßlich und schwül anmutende Disco-Funk Ende der 70er-Jahre verbunden mit der Mode und dem Outfit der damaligen Protagonisten dieses Genres, verbanden die Bandmitglieder gedanklich mit Figuren aus farbstichigen und schmierig-billigen Sexfilmchen, die heutzutage kaum über die Wertung "1 Stern" in den Fernsehzeitungen hinauskommen, sollten sie überhaupt eine Wertung erhalten. Da Caféhaus eine rein musikalische Affinität zu jener Zeit haben und nicht nur über Ideenreichtum, sondern vor allem über eine ausgeprägte Fantasie verfügen, wurde irgendwann aus einer Laune heraus der Begriff "Pornofunk" als Musikstil seitens der Band erfunden und festgelegt. So einfach ist das manchmal.

Im Grunde genommen ist die Musik von Caféhaus Rap mit viel Livemusik. Hier dominieren keine Samples sondern "richtige" Instrumente wie Schlagzeug, Bass, Gitarre, Piano und Trompete. "Knusprig" nennen Caféhaus ihren Sound und treffen mit dieser Beschreibung den Nagel auf den Kopf, wovon wir uns bei der Live-Performance im Rahmen der Band-Coaching Woche der VW-Soundfoundation im MusikZentrum Hannover überzeugen konnten.

Da Caféhaus eher den Bands zuzurechnen ist, die in der Lage sind, mit ihrer extrem tanzbaren und pulsiereden Musik die Clubs zum kochen zu bringen, scheint das Thema "Bühnenperformance bzw.-show" für sie besonders wichtig. "Die Arbeit mit der Choreographin Eva Maria von der Höh" hat uns auch mit am meisten gebracht, verrät uns die Band zum Abschluss der Trainingswoche. "Das Gute war, dass uns beim Performance-Training erstmal nur verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt wurden, wie wir die Bühne räumlich effizienter für bestimmte Bewegungen aufteilen können", sind sich Gitarrist Ted Tower und Rapper Miro einig.

"Da geht es dann darum, wie man einen Mikrofonständer positioniert um gewisse Abläufe besser zu koordinieren", erklären die Musiker weiter. Scycs-Frontman Stefan Michme, seines Zeichens ebenfalls Journalist, hat Caféhaus in punkto Medienarbeit viele wertvolle Tipps geben können und dabei von vielen guten und schlechten Erfahrungen aus seiner Karriere als Profimusiker erzählt.
Auf heiße Groupie-Stories warteten Caféhaus allerdings vergeblich. Auch Reamonn Garvey, Sänger der Band Reamonn zeigt sich von dem Talent und der Musik von Caféhaus begeistert und plant, evtl.noch in diesem Jahr einen Song mit der Band zu produzieren. Um später einmal erfolgreich mit einer Plattenfirma zu arbeiten bzw.erstmal an einen Deal heranzukommen, dazu ist es notwendig, die Strukturen und die Arbeitsweise der Labels zu kennen und zu wissen, welche Mechanismen im hart umkämpften Musikgeschäft greifen.

Sina Farschid, A+R-Direktor des zur Universal Music Group gehörenden Labels Mercury Records coachte die Band am Mittwoch in Businessfragen. "Es gibt leider immer weniger Chancen für nationale Künstler, besonders für Bands, die mit deutschen Texten aufwarten.", erklärt Farschid. "Wenn internationale Acts aus USA oder Großbritannien auf den deutschen Markt kommen, ist der Druck seitens der Plattenfirmen auf den jeweiligen A+R sehr groß.

Das kann dazu führen, dass er seine nationalen Künstler zeitweise vernachlässigen muss. Vielfach ist in großen Plattenfirmen unter deren Dach viele Labels arbeiten auch die Koordination der Bereiche Produktmanagement, Promotion und Vertrieb ein Problem", so der Manager weiter. "Leider ist das Radio, allen voran die Privatsender immer weniger risikobereit und spielen nur die altbewährten Künstler, die wollen keine Spitzen, sondern möglichst über den Tag hinweg gleich bleibendes Level an Einschaltquote, um die Werbung möglichst breit gefächert zu platzieren", führt Farschid weiter aus. Von diesen Schwierigkeiten sollen sich Bands jedoch nicht entmutigen lassen, sondern möglichst ihren eigenen Stil entwickeln und sich ein eigenes, markantes Profil aneignen. "Durchschnitt gibt es viel zu viel in Deutschland", sagt Sina Farschid.

Gut möglich, dass sich Caféhaus mit ihrem individuellen und schon gut ausgeprägten Stil im professionellen Geschäft behaupten können.

"Uns hat diese Woche hier in Hannover sehr gut gefallen, die Bedingungen waren toll, die Atmosphäre gut und locker und die Dinge die man hier lernt, bekommt man kaum irgendwo sonst vermittelt. Es hat uns riesig Spaß gemacht", zieht die Band ein Fazit über ihr Bandcoaching. "Wir wollen eine Platte veröffentlichen und Gigs spielen. Dieses Coaching hat uns geholfen, die Systeme zu verstehen, wie man an Schlüsselpersonen in Plattenfirmen und Booker herankommt", sind sich Caféhaus einig.

Fotos und Bericht: Andreas Haug