Background Archiv
Leitpfad durch den Musikdschungel – Teil 1: Das Bandinfo/Bio
von Michael Weber

Aller Anfang ist schwer. Auch dieser. Gehen wir einmal davon aus, dass Ihr als Band schon die ersten Songs geschrieben oder einstudiert habt. Es wird also Zeit, die Band bekannt zu machen, sprich an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei ist das Bandinfo bzw. die Bandbiographie von entscheidender Bedeutung.

Wie also ein Info gestalten?

Schlechte Infos gibt es zu Hauf. Um ein gutes zu gestalten, solltet Ihr einfach die nachfolgenden Punkte beachten, dann solltet Ihr auf der sicheren Seite sein. Beachtet bitte immer den übergeordneten Leitsatz: das Info muss übersichtlich bleiben und interessant geschrieben sein. Im Idealfall muss das Lesen Eures Infos das Hören der CD ersetzen oder zumindest Geschmack darauf machen!

1. Kontakt
Bevor Ihr zum Inhalt übergeht, solltet Ihr Eure Adresse (oder die Eures Vertreters) samt Telefonnummer und eventuell Mail/URL angeben. Leider gibt es immer wieder Bands, die diese kleine, aber enorm wichtige Angabe vergessen oder nur unzureichend in das Info integrieren.

Wo der Kontakt auf dem Info angegeben ist, spielt keine große Rolle, er sollte nur gut sichtbar sein. Üblich ist die Angabe oben oder unten auf der ersten Seite.

2. Äussere Form
Womit wir schon beim Umfang sind. Ohne Presseberichte und Reviews, sollte das Info nur einseitig sein. Wer es nicht schafft, sich auf einer Seite darzustellen, schafft es auch auf drei Seiten nicht. Ein Deckblatt dagegen ist erlaubt. Das Format spielt eine untergeordnete Rolle, sollte aber z.B. für die Presse einfach zu archivieren sein.

Hochglanzdrucke oder gute (!) Farbausdrucke sind natürlich schön, haben aber den entscheidenden Nachteil, dass sie schlecht kopierbar sind. Veranstalter benötigen häufig eine kopierbare oder sogar faxbare Vorlage des Textes. Daher ist es ratsam, möglichst wenig Farben zu benutzen, den Text so zu gestalten, dass er auch s/w gut lesbar ist (also kein schwarzer Text auf rotem Hintergrund, kein heller Text auf dunklem Hintergrund).

Als Kompromiss zwischen Hochglanz und s/w hat sich ein einfacher Trick bewährt: kopiert einfach einen schwarzen Text auf farbiges Papier. Das spart Geld und wirkt dennoch ansprechend.

3. Werdegang und Erfolge
Spart Euch eine Bandgeschichte, wenn Sie nicht für die Öffentlichkeit wichtige Stationen beinhaltet! Niemand erwartet von einer Nachwuchsband, dass sie eine bedeutende Historie hat. Gebt einfach kurz an, seit wann es Euch gibt und was Ihr bisher erreicht habt. Dabei sollten Nachwuchswettbewerbe im Hinterwalde oder Supports für eine lokale Show-Größe ausgelassen werden. Beschränkt Euch auf bundesweit wichtige Erfolge. Wichtig wäre - um mal zu übertreiben - z.B. der Support der Rolling Stones in Hannover, der Sieg beim regionalen Emergenza-Finale, das Gastspiel von Chris Stein auf Eurer CD, der Vertragsabschluss mit einer Plattenfirma oder eine Zusammenarbeit mit Mousse T.

Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr mit dem Platz nicht hinkommt, dürfen Referenzen und Discografie (s.u.) auch auf einem zweiten Blatt aufgelistet werden.

4. Das Image
Das Herzstück Eures Infos bildet das Bandimage. Dazu gehört die Beschreibung Eures Stils und das Hervorheben Eurer Stärken. Verzichtet möglichst auf Vergleiche mit Bands, es sei denn, sie verdeutlichen Euren Stil besser als Worte. Versucht aber auch keine neue Schublade zu erfinden, stellt Euren Sound dar.

Ein Image ist etwas, was kaum greifbar ist und sich erst langsam herausbildet. Versucht es dennoch in Worte zu fassen. Habt Ihr einen Anspruch? Tretet Ihr nur in Anzügen auf? Gehört Ihr zu einer bestimmten Subkultur? Spielt Euer Gitarrist nur mit dem Rücken zum Publikum? Wenn ja, dann schreibt und erklärt das, denn das ist Euer Image! Gebt Euch Mühe, denn dieser Punkt ist der wichtigste. Fasst Euch dabei dennoch kurz, denkt daran: das Info sollte möglichst nur eine Seite lang sein!

5. Besetzung und Discografie
Zu einem guten Info gehört die Besetzung. Alle Musiker sollten mit vollem Namen oder Künstlernamen und ihrem Instrument genannt sein. Ausserdem ist es sehr sinnvoll, eine Discografie aufzulisten. Diese sollte alle offiziellen Veröffentlichungen beinhalten (auch Sampler und Maxis). Demos werden grundsätzlich nur aufgeführt, wenn Sie als Eigenproduktion zu kaufen sind. Diese sollten aber nach und nach aus der Liste verschwinden, wenn es offizielle Veröffentlichungen gibt.

6. Presseartikel
Zusätzlich zu dem kurzen Bandinfo solltet Ihr auf ein bis vier Seiten gesammelte Presseartikel über Euch zusammenstellen. Diese sind mit Angabe von Datum und Quelle zu versehen. Bei der Auswahl solltet Ihr folgendes beachten: niemals Ankündigungen verwenden! Beschränkt Euch auf CD-Kritiken, Live-Berichte und Interviews. Sind die Berichte oder Interviews sehr lang, zitiert Kernsätze (vergesst die Quellenangabe und das Datum nicht). Habt Ihr das erfreuliche Problem, zu viele Presseartikel zu haben, beschränkt Euch dennoch auf die wesentlichen. Eventuell lohnt es sich noch zusätzlich weitere wichtige Artikel in einer Übersichtsliste zu nennen.

7. Info für Plattenfirmen
Wenn Ihr ein Promopaket für Plattenfirmen (oder Vertriebe) anfertigt, lohnt es sich, weitere Details in das Info aufzunehmen. Für Plattenfirmen ist es sehr interessant zu wissen, wenn Ihr 1000 Demos verkauft habt, dass zeigt Potenzial. Sind es hingegen nur 300 Stück, verzichtet auf diese Angabe, denn letztlich soll das Bandinfo eine Werbung für die Band sein. Überragende Verkaufszahlen sind ein Entscheidungskriterium für Plattenfirmen. Glaubt ja nicht, dass alle Indie-Bands 1000 CDs verkaufen. Stückzahlen von 300-500 sind durchaus üblich. Da sind vierstellige Verkaufszahlen für ein Demo mehr als gut.

Ebenfalls lohnt sich ein Nachweis Eurer Live-Aktivitäten in Form von einer Gigliste. Spielt Ihr z.B. 30-50 überregionale Gigs im Jahr, ist das eine wichtige Information für A&R-Manager. Die Betonung liegt hier übrigens auf überregional. Niemand wird sich für Eure 20 Auftritte in Hannover interessieren...

Beispiel für einen ganz gelungenen Infotext: http://www.mukkelpumusik.de/sexysilver.htm